Geschichte vor 1955

 

 

 

Schon sehr früh, vermutlich gleichzeitig mit der Gründung der ersten Städte und Märkte im 10. und 11. Jahrhundert, entstanden in Kärnten Schützengemeinschaften. Anfangs war es die Bürgerwehr, die mit ihren Bürgerschützen auf der "Zielstatt" die Treffsicherheit übte.

 

Mit der Einkehr sicherer Rechtsverhältnisse hat die Bürgerwehr ihren militärischen Wert immer mehr verloren. Auf Grund dieser Entwicklung entstanden schon im 15. Jahrhundert Schützengesellschaften, deren Mitglieder das Schießen nach der Scheibe als "Kurzweile" betrieben.

 

Im 16. bis Anfang des 17. Jahrhundert galt das Schießen als die Krone der bürgerlichen Unterhaltung und gehörte zu jedem Feste.

 

Im 17. Jahrhundert bewirkte die Zeit der Gegenreformation und des 30-jährigen Krieges einen Niederbruch des Schießwesens das sich erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts wieder erholte.

 

Circa 70 Bildscheiben des Schützenvereines St. Veit beweisen, dass im 18. Jahrhundert die Herzogstadt St. Veit eine Hauptpflegestätte des Scheibenschießens war. Diese größte und hochwertigste Bildscheibensammlung von Österreich kann im Museum der Stadt St. Veit besichtigt werden.

 

Zur Vereinheitlichung des Schießwesens wurde 1871, mit Beschluss des Kärntner Landtages der Kärntner Schützenbund gegründet.

 

 

Geschichte

 

Der Schützenverein St. Veit ist der älteste Verein der alten Herzogstadt St. Veit.

 

Wie aus den Schützenscheiben ersichtlich, bestand der Schützenverein bereits seit dem 15. Jahrhundert. Als Gründungsjahr wird 1556 angegeben.

 

 

Ob es damals ein Verein war, oder eine Schützengilde kann heute nicht mehr festgestellt werden. Wahrscheinlich war es, wie in den früheren Zeiten üblich, eine Schützengilde oder Schützenkompagnie die gleichzeitig zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bestellt gewesen sein wird.

 

 

Vom Jahre 1850 bis zum Kriegsausbruch 1914 war in St. Veit ständig eine Garnison, bestehend vorerst aus einer Eskadron Ulanen, dann Dragoner und zuletzt Husaren. Von dieser Garnison wurde gleichzeitig auch die Schießstätte benutzt.

 

Um die Zeit 1840 - 1850 dürfte der Schützenverein St. Veit, der jetzt noch in seiner gleichen Eigenschaft besteht, gegründet worden sein. Seit dieser Zeit hat sich der Schützenverein rein vereinsmäßig eingestellt.

 

 

Eine Eingabe der Bezirkshauptmannschaft St. Veit an die Kärntner Landesregierung vom 30. Dezember 1851, Zl. 11218 besagt, dass der Bezirkshauptmann in St. Veit ein Gesuch des Gemeindevorstandes St. Veit um Errichtung eines Schützenkors an die Stadthalterei in Klagenfurt gerichtet hat.

 

 

Ursprünglich wurde auf einer Schießstätte nächst der alten Herzogburg, (heutiger) Jirouscheck-Stadl auf beiläufig 100 – 150 Schritte geschossen. Die dort befindlichen Zielerstände befanden sich auf Kirchengrund und wurden dem Schützenvereine wahrscheinlich unentgeltlich zur Benutzung überlassen. Erst im Jahre 1926 wurde der Zielerstand der alten Schießstätte abgetragen.

 

In den Jahren 1880 bis 1885 wurde die Schiessstätte samt Zieler- und Scheibenstand in die Nähe des Muraunberges verlegt. Dort wurden von einer Schießhütte aus, welche nur aus einer aus vier hölzernen Säulen befestigten Blache bestand und beiläufig 300m Entfernung auf Scheiben geschossen.

 

 

In den Jahren 1888 bis 1890 wurde auf demselben Platze eine hölzerne Schießhütte errichtet. Der Grund und Boden gehörte der Stadtgemeinde St. Veit und war vom Landesverteidigungsministerium um einen jährlichen Betrag von Kronen 50.- gepachtet. Diese Schießstätte wurde von der Militärgarnison in St. Veit als Elementarschießstätte benutzt und war auch dem Schützenvereine unentgeltlich zur Benutzung überlassen. Der Schützenverein erhielt vom Landesverteidigungsministerium zur Ermöglichung seiner Tätigkeit leihweise Werndlgewehre, Munition und Geldgaben für Beste. An Stelle der Werndlgewehre erhielt der Schützenverein später 6 Manichergewehre Modell 1885 und darauf 3 Manichergewehre Modell 1898. An Munition erhielt er jährlich 2 Verschläge Patronen und für Bestgaben den Betrag von Kronen 180.- bis K. 200.-. 

 

Alljährlich wurde am 18. August ein Bestschießen abgehalten.

 

 

Im Jahre 1923 wurde die Schießhütte auf einem Platz nächst dem Muraunberger übertragen, neu hergerichtet und entsprechend ausgestattet. Auch die Schießstände wurden vergrößert, vermehrt und verbessert.

 

Da sich die Benutzung dieser Schießstätte wegen des regen Verkehrs am Muraunberg insbesonders an Sonntagen schwierig und gefährlich gestaltete, ging der Schützenverein daran, eine neue Schießstätte zu errichten.

 

Der Grund und Boden wurde hiefür an der westlichen Stadtgrenze beim Reidenwirt unmittelbar anschließend an die von St. Veit nach Feldkirchen führenden Strasse gesichert. Die Schießstätte, für welche die Pläne bereits vorliegen, konnte aber nicht errichtet werden, da es nicht möglich war die alte Schießstätte preiswert zu veräußern und sich dadurch die Mittel zur Errichtung der neuen zu beschaffen. Jedoch wird an der Stelle der neu zu errichtenden Schießstätte bei geeigneter Witterung bereits Kleinkaliber geschossen.

Die Schießstätte beim Reidenwirt wurde nie errichtet. Das Grundstück am Muraunberg wurde 1963 an die Stadtgemeinde St. Veit verkauft. Der Erlös wurde zur Errichtung der jetzigen Schießstätte beim Radinger verwendet.

 

Neben dem Schießen auf dem Schießstande wurden auch das Kapselschießen betrieben und zwar in den Jahren

1880 bis 1890 im Gasthause zum Sandwirt des N. Huber in St. Veit. Von
1890 bis 1893 im Gasthause des Benno Schubernigg in St. Veit. In den Jahren
1894 bis 1919 im Gasthause des Josef Wernitznig in St. Veit. In den Jahren
1920 bis 1926 im Gasthaus zum Stern in St.Veit und
ab 1927 im Gasthof „zur Post“ in St.Veit.

 

Im Jahre 1933 erhielt der Schützenverein St. Veit neue, den geänderten Zeiten entsprechende Satzungen.

Bei einer Meldung an die oberste Führung der Österreichischen Sport- und Turnfront in Wien im Juni 1936 wurden 30 Mitglieder genannt. Als Mitgliedsbeitrag waren jährlich: 3.- Schilling zu bezahlen.
Bei einer Bestandsaufnahme des Vereines im Jahre 1938 wurden 61 (männliche) Mitglieder gemeldet.

Mit Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurden der Schützenverein St. Veit an der Glan im September 1939 als Mitglied des deutschen Schützenverbandes im Gau Ostmark aufgenommen. 

 

Das Vermögen des Schützenvereins St. Veit (Grundstück der alten Schießstätte bei der Glan) wurde nicht als "Deutsches Eigentum" erklärt (so wie auch das Vermögen aller Kärntner Schützenvereine).

Die Besetzung unseres Landes durch englische Truppen im Jahre 1945 vernichtete das Kärntner Schießwesen gänzlich. Sämtlich Feuerwaffen mussten, bei Androhung der Todesstrafe auf Waffenbesitz und Waffenverheimlichung, abgeliefert werden, jegliche Vereinstätigkeit war verboten. Nur langsam lockerten sich die rigorosen Maßnahmen und der Kärntner Schützengeist begann sich von der Lähmung zu erholen.

 

Die Wiedergründung des Kärntner Landesschützenverbandes 1954 gab dem Schützenleben im ganzen Lande einen starken Auftrieb.

Die alte Schießstätte bei der Glan war praktisch unbenutzbar. So begann der Schützenverein St.Veit seine Aktivitäten mit den Luftwaffensport. Eilig wurden im Erdgeschoß des Gasthauses Schubernig (jetzt Hotel Weißes Lamm)10m-Stände errichtet. Mit Beginn der Wintersaison 1954/55 konnte der Schießbetrieb aufgenommen werden. Dieser Standort blieb bis zur Übersiedlung 1966 das Zentrum für die St.Veiter Sportschützen.

Im Jahre 1955 erfolgte eine Aktualisierung der Vereinsstatuten.

1957 wurden erste Vorverhandlungen über den derzeitigen Vereinsstandort getätigt und auch beschlossen, das Grundstück der alten Schießstätte (bei der Glan) zu verkaufen.

1963 erfolgte der Beschluss der Stadtgemeinde über Ankauf des alten Grundstückes und großzügige Unterstützung für einen Neubau der Schießstätte.

1964 Verkauf des Grundstückes (EZ 508, KG St. Veit an der Glan) in der Schießstattallee im Ausmaß von 3710 m2.

1966 erfolgte die Grundbücherliche Einverleibung des derzeitigen Vereinsareales zugunsten des SV-St.Veit.

Im Zeitraum 1964 bis 1969 wurde das Vereinsgebäude mit den Schießanlagen errichtet.

Die Finanzierung des Neubaues erfolgte durch

  • Verkauf der alten Schießstätte,
  • großzügige Unterstützung durch die Stadtgemeinde St. Veit und von St. Veiter Gewerbetreibenden
  • Aufnahme eines langfristigen Kredites durch Privathaftungen von Franz Höfferer, Arthur Edlinger sowie von Ferdinand und Aloisia Schratt.

1968 war anläßlich der 100-Jahrfeier des Landesschützenverbandes das Eröffnungsschießen auf der neu errichteten Schießstätte beim Radinger.

Mit Beschluß der Jahresvollversammlung des Kärntner Landes-Schützenverbandes 1968, führt die Schießanlage die Bezeichnung "Kärntner Landeshauptschießstand".

1964 und 1981 erfolgen geringfügige Korrekturen der Vereinsstatuten.

Aus den Unterlagen ist zu entnehmen, daß der Verein immer über 100 Vereinsmitglieder hatte.

Die beliebten Krampus- und Osterschießen werden seit den Sechzigerjahren regelmäßig veranstaltet.

Das überraschende und tragische Ableben von Oberschützenmeister Ferdinand Schratt (1984), der lange Zeit völlig uneigennützig und mit sehr großem Einsatz für den Verein tätig war, löste einen Generationswechsel im Vorstand des Vereines aus.

1990 bis 1991 wurden umfangreiche Baumaßnahmen für äußere und innere Sicherheit sowie die Errichtung eines Zubaues (Aufenthaltsraum und frostsichere WC-Anlagen) vorgenommen.

1994 erfolgten die Errichtung von Lärmschutzmaßnahmen.

Diese Investitionen wurden durch Unterstützung von Stadtgemeinde, Kärntner Landesregierung und

ASVÖ-Kärnten ermöglicht.

Auch der derzeitige Vorstand arbeitet völlig uneigennützig und ist bemüht, im Rahmen seiner Möglichkeiten die alten Traditionen aufrechtzuerhalten und den Schießsport zu fördern.

Die Schießstätte des Schützenvereines St.Veit an der Glan soll auch weiterhin als Kärntner Landeshauptschießstätte ein Ort der Begegnung für alle Freunde des Schießsports sein.